Weit voraus denken und neue Märkte sehen

Das Start-up DENKweit aus Halle (Saale) entwickelt innovative Geräte zur zerstörungsfreien Prüfung von Batteriesystemen für Elektrofahrzeuge. Dabei nutzen die Physiker ihre wortwörtlich „ausgezeichneten“ Kompetenzen auf dem Gebiet der Photovoltaik.

DENKweit Geschäftsführer

DENKweit-Geschäftsführer Dominik Lausch (l.) und Mitgründer Kai Kaufmann verkaufen weltweit ihr Laborgerät, das Batteriezellen zerstörungsfrei prüfen kann.

PRpetuum GmbH

Als Dominik Lausch Anfang dieses Jahrtausends in Leipzig Physik studierte, sammelte er seine Praxiserfahrungen in der Solarzellenproduktion. Er erlebte das „Solar Valley“ in der Region Bitterfeld-Wolfen auf seinem wirtschaftlichen Zenit – und auch dessen Fall. Doch davon ließ sich der junge Wissenschaftler in seinem forschenden Drang nicht negativ beeinflussen. Lausch setzte beruflich auf die Photovoltaik als Zukunftstechnologie und promovierte am Fraunhofer-Center für Silizium-Photovoltaik in Halle (Saale). Sein Thema – die Charakterisierung von Defekten in Silizium-Solarzellen – begleitet ihn seitdem. Der 37-Jährige hat sich inzwischen einen Namen gemacht auf diesem Gebiet. Allen kommenden Preisen voran wurde er 2012 mit dem renommierten Preis der European Photovoltaic Solar Energy Conference and Exhibition EU PVSEC ausgezeichnet. Die jüngsten Preise bekam sein 2018 gegründetes Unternehmen DENKweit. Den IQ Innovationspreis Halle und den IQ Innovationspreis Mitteldeutschland erhielt das Start-up 2019 für die Entwicklung von Prüfgeräten, die die Qualitätskontrolle photovoltaischer Zellen schon im Produktionsprozess, dann bei der Verarbeitung zu Modulen und letztlich während der Montage etwa auf dem Dach erleichtern.

Sensorik entdeckt defekte Solarzellen ...

Seinen detektivischen Spürsinn für Defekte in Solarzellen trainierte Dominik Lausch am Fraunhofer-Center für Silizium-Photovoltaik CSP in Halle (Saale). Dort ist das Zentrum für Innovationskompetenz (ZIK) SiLi-nano angesiedelt, das vom Bundesforschungsministerium gefördert wird. 2015 übernahm Dominik Lausch 32-jährig im ZIK die Leitung der Nachwuchsforschungsgruppe „Light to Silicon“. Ziel des Projektes war es, die Lichtausbeute und damit den Wirkungsgrad von Silizium-Solarzellen noch weiter zu erhöhen, ohne dass deren Produktion teurer wird. Defekte als mögliche Ursachen für Leistungseinbußen zu erkennen, war auch hier ein Thema.

Mit der Idee, auf Basis der gesammelten Erkenntnisse eigene Geräte zu bauen, reifte im Wissenschaftler die Lust aufs Unternehmertum. Die Kollegen Kai Kaufmann und Markus Patzold waren mit gleichem Enthusiasmus dabei. Ihrem Start-up – eine Ausgründung aus dem Fraunhofer-Center für Silizium-Photovoltaik – gaben sie den programmatischen Namen DENKweit. Gar nicht weit hergeholt war die Gründungsidee der drei promovierten Physiker. Sie entwickelten ein Inline-Messgerät, das – in die Produktion integriert – defekte Solarmodule automatisch aussortiert. Mit dem zweiten, einem Handgerät, lassen sich installierte Solarmodule während des laufenden Betriebes überwachen und frühzeitig Defekte erkennen.

... und erkennt fehlerhafte Batteriezellen

Dominik Lausch kommt nochmals auf den IQ Innovationspreis Mitteldeutschland zu sprechen. Der wird unter anderem vom Volkswagen-Konzern finanziert – was die drei „weitDenker“ auf die Idee brachte, sich in der Automobilbranche einen neuen Markt zu erschließen. Denn Batteriesysteme für Elektrofahrzeuge können bislang nicht zerstörungsfrei und ortsaufgelöst geprüft werden. Mutig entschlossen stellten sie ihre Entwicklungen in Salzgitter vor, wo VW die Batteriezellen für seine neuesten Elektroautos fertigt – und begeisterten die Ingenieure dort für eine Erprobung ihrer Prüfgeräte. Die messen das Magnetfeld im Bauteil nicht nur punktuell, sondern flächig, kontaktlos und in Echtzeit. Deshalb können sie sehr gut auch zur Erkennung von Defekten und zur Qualitätsüberwachung von E-Batterien eingesetzt werden. Vorausdenkend betreten die Hallenser an dieser Stelle Neuland und verknüpfen ihren Sensor mit maschinenlernenden Algorithmen. „Die Software erkennt Defekte in der Zelle oder an der Schweißstelle automatisch und selbstlernend und übersetzt die Messergebnisse in Bilder“, erklärt Dominik Lausch, der sich gerade ein neues Interessensgebiet erschließt: die Künstliche Intelligenz. Und die Fachwelt staunt. Denn das von DENKweit entwickelte Programm braucht vergleichsweise wenige Daten, um die neuronalen Netze der KI zu trainieren. Hinter dem Erfolg steckt ein mittlerweile 16 kluge Köpfe zählendes Denk-weit-Team. Das will mit seiner KI-basierten Prüfsensorik zum weltweit führenden Anbieter derartiger Messgeräte werden.

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