Technologienetzwerk verknüpft Digitalisierung und Gesundheit

Die digitale Gesundheitsvorsorge entwickelt sich zum Markt für viele neue Produkte. Der Berliner Xinnovations-Verein bringt Ideen und Kompetenzen aus verschiedensten Bereichen zusammen und treibt technologische Innovationen voran.

Grafische Darstellung der Verknüpfung von Digitalisierung und Gesundheit

Technologien und sensible Patientendaten zu verbinden, ist nicht einfach. Xinnovations versucht Kompetenzen aus beiden Bereichen erfolgreich zu vereinen.

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Dieser Tage, wo beinahe alle Begegnungen im virtuellen Raum stattfinden, wird der Berliner Xinnovations-Verein einmal mehr seiner ureigenen Mission als „Vordenker der digitalen Zukunft“ gerecht. Gleich zu Beginn des Jahres 2021 hatte er zum „Xcamp“ eingeladen. Das Thema des Online-Netzwerktreffens: „Digitalisierung und Gesundheit“. „Die Corona Pandemie hat gezeigt, wie sehr beides miteinander verbunden ist“, sagt Stefan Grill, Sprecher von Xinnovations. Jetzt und in Zukunft gehe es auch um die digitale Organisation der gesundheitlichen Versorgungssysteme.

Seit 20 Jahren vernetzt Xinnovations Wissenschaft und Wirtschaft bei der Suche nach „Internet-basierten Lösungen für Kommunikation und Zusammenarbeit“, so hieß es damals. Heute spricht man von virtuellen Kommunikations- und Arbeitsräumen. 2001, als das World Wide Web in seinen Kinderschuhen steckte und KI als Abkürzung für Künstliche Intelligenz erst wenigen geläufig war, förderte das Bundesforschungsministerium eine kleine Schar von jungen IT-Unternehmen und Wissenschaftlern, die das Innovationsforum „xmlcity:berlin“ zum Austausch über netzbasierte Informationssysteme und digitale Kommunikationstechnologien initiierten. Der gleichnamige Wachstumskern hatte sich zum permanenten Forum  „Xinnovations – better by networking“, heute kurz „Xinnovations" entwickelt, dessen hochkarätige Veranstaltungen zu den führenden deutschsprachigen auf diesem Gebiet gehören. Jährlich organisiert der Verein Netzwerktreffen zu spannenden Fragen unserer Zeit. Auch die Veranstaltung selbst hat sich in der Zeit des digitalen Wandels verändert. Das Xcamp ist ein online-Barcamp. Es gibt keine frontalen Vortragenden mehr. Die Teilnehmer selber bringen sich ein, wie sie es in den sozialen Medien gewohnt sind.

Gesundheits-App auf Rezept

Grafik einer Gesundheits-App

Gesundheits-Apps sollen dabei helfen Krankheitsverläufe zu überwachen, um frühzeitig auf Erkrankungen aufmerksam zu machen.

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Die Internet-affine Zielgruppe zeigt nachweislich wachsendes Interesse an Gesundheits-Apps, die schon von jedem zweiten Smartphone-Nutzer verwendet werden. Zudem dürfen seit Oktober 2020 digitale Gesundheitsanwendungen – geprüft durch das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte – ärztlich verschrieben werden. „Wenn wir Ärzte bereit sind, uns dieser Entwicklung zu öffnen, können wir davon profitieren“, so eine Xcamp-Teilnehmerin. Bislang gibt es etwa zehn als Medizinprodukte eingestufte Apps, die auf Rezept verschrieben werden können. Ärztinnen und Ärzte wüschen sich zertifizierte Fortbildungen hinsichtlich des Angebotes an Gesundheits-Apps und deren Integration in eine individuelle Therapie. Auch Apps mit niedriger Risikoklasse zur Prävention, Gesundheitsförderung und zum Selbstmanagement würden Mediziner in ihrer Praxis gern zur Unterstützung bei Patientengesprächen zu gesundheitsbezogenen Gesprächen und bei der Motivation zu gesunder Verhaltensweise nutzen. Aber auch hier signalisieren sie Informationsbedarf, um aus dem großen Angebot seriöse und zuverlässige Produkte herausfinden zu können.

Entwicklung von Qualitätsstandards

Ein wachsender Markt für Gesundheits-Apps erschließt sich auch aus gegenwärtigen Bedingungen wie etwa medizinische Unterversorgung auf dem Lande, überfüllte Arztpraxen oder lange Wartezeiten auf Facharzttermine. Innerhalb des vom Bundesforschungsministerium geförderten Wachstumskerns „QURATOR“ werden digitale Kuratierungstechnologien für die künstlich-intelligente „Ada“ entwickelt, die dem Nutzer beim ersten Symptomcheck hilft. Gründlich hinterfragt sie die Beschwerden. Dahinter steckt ein selbstlernendes System, das stetig mit medizinischem Wissen gefüttert wird.

Mit der Erschließung des neuen App-Marktes, so das Fazit der Xinnovations-Veranstaltung, würden sich bei App-Entwicklern wie bei deren Nutzern viele Fragen ergeben, zu deren Lösung das Xinnovations-Netzwerk beitragen wird. Vor allem gehe es um einen barrierefreien Zugriff auf diese Programme und darum, Qualitätsstandards zu sichern und den Nutzern transparente Orientierung entlang von Qualitätskriterien zu geben.