Offene Kitas durch Corona-Tests

In einer Studie wurden Kinder und Betreuerinnen von neun Würzburger Kindertagesstätten sechs Monate lang regelmäßig auf das Coronavirus getestet. Das Fazit der Studienleiter: Ausbrüche in Kitas lassen sich durch prophylaktisches Testen verhindern.

Kind sitzt gelangweilt am Fenster

Wenn Kindern der Austausch mit Gleichaltrigen fehlt, können sie in ihrer Entwicklung beeinträchtigt werden. Geöffnete Kitas sind für Kinder und Eltern gleichermaßen wichtig.

Anke Thomass

Geschlossene Kindertagesstätten und Schulen belasten Eltern und Kinder seit Beginn der Pandemie. Ihren Beruf und die häusliche Kinderbetreuung unter einen Hut zu bringen, ist für die meisten Eltern stressig. Hinzu kommen die seelischen und körperlichen Beeinträchtigungen, die insbesondere kleinere Kinder in ihrer Entwicklung davon tragen können, wenn ihnen der Austausch mit Gleichaltrigen fehlt. Deshalb wollte das Team der Würzburger Kita-Studie herausfinden, ob es gelingen kann, die Betreuungseinrichtungen mit Hilfe unkomplizierter und effektiver Testmethoden möglichst lange offen zu halten. Die interdisziplinäre Studie war aus einer Expertengruppe hervorgegangen, die von der Stadt Würzburg in der ersten Pandemiewelle ins Leben gerufen wurde. Mediziner, Virologen, Epidemiologen und Psychiater der Universität und des Universitätsklinikums Würzburg sollten die Wiederöffnung der Kindertagesstätten nach dem ersten Lockdown wissenschaftlich begleiten. Im September letzten Jahres starteten die Experten ihre Arbeit. Das Bundesforschungsministerium hat die Studie im Rahmen des Zwanzig20-Konsortiums InfectControl und der Projekte zur Eindämmung und Bekämpfung der COVID-19-Pandemie gefördert.

Testen, testen, testen

„Die Kita-Kinder sind zu Beginn der Pandemie vernachlässigt worden“, sagt Oliver Kurzai, einer der Studienleiter und Direktor des Instituts für Hygiene und Mikrobiologie an der Universität Würzburg. „Die Diskussionen drehten sich meist um Schulen. Doch Hygienemaßnahmen wie Abstandsregeln und das Tragen eines Mund-Nasen-Schutzes lassen sich mit kleinen Kindern nicht umsetzen.“ Um die Betreuung in Kitas dennoch zu gewährleisten, haben die Wissenschaftler die Möglichkeiten von Tests untersucht. Über 70 Prozent der Kinder und Betreuer in den neun Würzburger Kitas haben an der Studie teilgenommen. Alle wurden regelmäßig getestet, entweder durch einen Nasenabstrich oder Mundspülwasser. Beide Proben sind im Labor mithilfe der PCR-Methode analysiert worden. Die einfache Mundspülung ist vor allem bei den kleinen Probanden am besten angekommen. Regelmäßiges Testen in Kitas ist also möglich. Zudem hat die Studie gezeigt, dass SARS-CoV-2-Infektionen in Kindertagesstätten relativ selten sind. In den sechs Monaten der Untersuchung gab es lediglich einen Ausbruch. Potentiell tragen eher die Betreuerinnen das Virus ein, was jedoch durch Impfungen verhindert werden kann. Das Fazit der Studie: Ausbrüche in Kitas lassen sich durch prophylaktisches Testen abwenden. Wie das im großen Stil funktionieren kann, wollen die Würzburger Wissenschaftler nun in einer Anschluss-Studie in den kommenden Monaten untersuchen. Unter anderem planen sie, die Methode des Poolings zu prüfen. Dabei können mehrere Proben mit einem Test untersucht und so die Kosten erheblich reduziert werden. Ziel der Forscher ist es, ein Konzept für eine sichere Kita-Betreuung zu verfassen, das auch außerhalb Würzburgs nutzbar ist.

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