COVID-19-Reha im virtuellen Raum

Bei COVID-19-Atemwegserkrankungen sind nach stationärer Rehabilitation weiterführende ambulante Programme notwendig. Doch Pandemie-bedingt sind die schwer zu realisieren. Mit digitalen Innovationen kann die Therapie im virtuellen Räumen stattfinden.

Mann mit einer Virtual-Reality-Brille

Virtual-Reality-Brillen können Patienten digitale Reha-Programme ermöglichen.

Adobe Stock/ SFIO CRACHO

Etliche an COVID-19 Erkrankte leiden noch lange nach der akuten Infektionsphase an Erschöpfung, Atembeschwerden und Schmerzen im Brustkorb. Viele müssen in Rehabilitations-Kliniken schrittweise auf die Rückkehr in ihr gewohntes Leben vorbereitet werden. Auch im Anschluss an den stationären Aufenthalt sind individuelle Rehabilitationsprogramme einzuhalten, um den Genesungsprozess zum Erfolg zu führen und um Spätfolgen zu vermeiden. Doch unsere Gesellschaft befindet sich auf lange Sicht in sozialer Distanz. Begegnungen in Therapiegruppen sind kaum möglich. „Unser Projekt DigVID19 soll den Patientinnen und Patienten virtuelle Trainings- und Therapieräume eröffnen“, sagt Karsten Schwarz, Koordinator des TDG-Bündnisses. TDG steht für „Translationsregion digitalisierte Gesundheitsversorgung“. Das Bündnis agiert im südlichen Sachsen-Anhalt und wird vom Bundesforschungsministerium BMBF im Rahmen des Programms „WIR! – Wandel durch Innovation in der Region“ gefördert.

Online-Training für die Atemwege

Zwei Männer testen eine VR-Reha-App.

Zwei Projektpartner erproben eine VR-Anwendung zur Reha von Atemwegserkrankungen nach der Covid19 Infektion.

TDG

„Im zurückliegenden Pandemie-Jahr haben wir alle erfahren, dass digitale Praktiken unser Zusammenleben stressfreier gestalten können“, betont Karsten Schwarz. Das TDG-Bündnis will jetzt mittels digitaler Techniken die COVID-19-Reha im virtuellen Raum ermöglichen und somit im häuslichen Lebensumfeld ansiedeln. Das auf mehrere Wochen angelegte digitale Reha-Programm besteht aus dem Atemtraining der Lunge und aus Anleitungen zur allmählichen Steigerung der körperlichen Belastbarkeit und Fitness. Die stationär vermittelten Therapietechniken, so Karsten Schwarz, sollen auch im häuslichen Umfeld weiter angewandt und optimiert werden. Zudem würden in dem Forschungsprojekt die technischen Voraussetzungen dafür geschaffen, dass die Betroffenen in den virtuellen Räumen sowohl autonom und selbständig aktiv sind als auch online an Gruppen-therapeutischen Maßnahmen teilnehmen können.

Die Entwicklung des DigVID19-Programms, so der TDG-Koordinator, erfolge gemeinsam mit COVID-19-Patientinnen und -Patienten. Über diese Zielgruppe hinaus könne das Programm von weiteren Atemwegserkrankten genutzt werden, etwa von Patienten mit chronisch obstruktiver Lungenerkrankung. Bei COPD sind die Bronchien verengt, wodurch die Lunge dauerhaft geschädigt ist. „In Bergbauregionen treten derartige Lungenkrankheiten überdurchschnittlich oft auf“, sagt Karsten Schwarz und dass die DigVID19-Innovation ebenso von anderen Ländern mit Bergbautradition genutzt werden könne.

Reha-App auf Rezept

Angesiedelt ist das neue TDG-Forschungsprojekt im klinischen Lehr- und Forschungszentrum der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg. Projektkoordinator Schwarz verweist auf dessen hochmoderne Ausstattung, auf die Integration von digitalen Assistenz-Systemen, von VR-Technologien und Telepräsenzrobotik in Diagnostik und Therapie. Besonders, wer im virtuellen Raum trainiert, braucht ein motivierendes Feedback. Das sollen spezielle Sensoren übernehmen, die an entsprechenden Schnittstellen der Interaktion zwischen Patient und Software installiert sind. Sie ermitteln Daten über den Trainingsverlauf und werten sie aus. Kompetenzen auf diesem Gebiet hat die 2tainment GmbH. Das Magdeburger Unternehmen entwickelt interaktive digitale Spiele und ebenso Trainings- und Therapie-Apps für medizinische Anwendungen.

Weitere Partner im DigVID19-Projekt sind die Landesgruppe Sachsen-Anhalt der Patientenorganisation „Lungenemphysem COPD Deutschland“ und die COPD Selbsthilfegruppe Viersen. Zudem sollen sämtliche Gesundheitsberufe frühzeitig in die Entwicklung des post-COVID-19-Rehaprogramms eingebunden werden; so auch die Physiotherapeuten der LichterSchatten Therapiezentrum GmbH. „Unser Ziel ist es“, so Karsten Schwarz, „dass die App ärztlich verordnet werden kann.“

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