Corona in Kitas – deutschlandweit einzigartige Studie startet

Eine groß angelegte Studie soll die Ausbreitung des Coronavirus in Kinderbetreuungseinrichtungen untersuchen – und verhindern. Dadurch wollen Universität, Uniklinikum und die Stadt Würzburg Eltern und Kinder vor neuen Kita-Schließungen bewahren.

800 Kinder, rund 10.000 Coronavirus- und 1.500 Antikörpertests innerhalb von zwölf Wochen – allein die Zahlen lassen die Dimension einer geplanten Studie im unterfränkischen Würzburg erahnen. Für dieses Großprojekt haben sich die Stadt Würzburg, die Universität und das Universitätsklinikum Würzburg zusammengeschlossen. Gemeinsam haben sie ein stark interdisziplinäres Studienkonzept erarbeitet, in das unter anderem allgemeinmedizinische, kinder- und jugendmedizinische sowie virologische Aspekte eingeflossen sind. Bereits ab September sollen Kinder und auch das Betreuungspersonal an neun Kindertageseinrichtungen getestet werden.

Für Studienleiter Oliver Kurzai ist die „Wü-KiTa-CoV“ genannte Studie „ein zentraler Baustein der Monitoringkonzepte in Würzburg und in dieser Intensität in der Kinderbetreuung deutschlandweit einzigartig“. Kurzai forscht am Institut für Hygiene und Mikrobiologie der Universität Würzburg und ist wissenschaftlicher Geschäftsführer des bundesweiten Zwanzig20-Konsortiums „InfectControl“.

Mehrere Kinder sitzen an einem Tisch

Die Würzburger Corona-Studie soll neue Kita-Schließungen vermeiden helfen.

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Schnelle und sichere Infektionserkennung

Die Würzburger Studie untersucht eine Zielgruppe, die vor allem zu Beginn der Pandemie nicht im Zentrum des wissenschaftlichen Interesses stand. „Kinder erkranken deutlich leichter und seltener“, sagt Kinder- und Jugendmediziner Johannes Liese vom Universitätsklinikum Würzburg. „Deshalb haben Kinder in der Coronapandemie bisher kaum eine Rolle gespielt.“

Mit seiner großangelegten Studie will das Würzburger Projektteam herausfinden, wie mögliche Infektionen in Kinderbetreuungseinrichtungen möglichst frühzeitig, einfach und am wenigsten belastend für Kinder und Eltern entdeckt werden können. So müssten Kindertageseinrichtungen auch bei einem positiven Befund nicht mehr sofort komplett geschlossen werden. „Wir wollen eine sichere und kontinuierliche Kinderbetreuung erreichen“, sagt Liese. „Dafür ist das frühe Erfassen von Infektionen ein wichtiger Bestandteil.“

Ein guter Zeitpunkt, um Kindern zu helfen

Wie wichtig ein funktionierendes Betreuungssystem gerade für jüngere Kinder ist, weiß Hülya Düber vom Jugend-, Familien- und Sozialreferat der Stadt Würzburg. „Es gibt Kinder, zu denen wir in den zwölf Wochen der Schließung wenig bis gar keinen Kontakt hatten“, berichtet sie. Die Belastungen für die Eltern, aber vor allem für die Kinder seien teilweise sehr hoch gewesen.

Auch Christoph Härtel, Direktor der Kinderklinik am Uniklinikum Würzburg, kennt die dramatischen Folgen des vorübergehenden Betretungsverbotes: „Der Kontaktverlust zu Gleichaltrigen und der unverstandene Verlust von Bezugspersonen haben traumatisiert“, sagt Härtel und fügt hinzu: „Jetzt ist ein guter Zeitpunkt, zu sagen: Was kann die Gesellschaft für die Kinder tun?“ Die Würzburger Kita-Studie soll dazu entscheidend beitragen.

InfectControl

Um ihren Beitrag zur Bekämpfung der Corona-Pandemie zu leisten, haben mehrere geförderte Bündnisse aus der Programmfamilie „Unternehmen Region" neue Ideen entwickelt. Das Bundesforschungsministerium (BMBF) unterstützt 24 vielversprechende Projekte mit zusätzlichen 32 Millionen Euro, darunter auch mehrere Vorhaben von „InfectControl“. Das von Jena aus koordinierte Konsortium entwickelt neue Strategien gegen Infektionskrankheiten und wird vom Bundesforschungsministerium seit 2013 im Programm „Zwanzig20 – Partnerschaft durch Innovation“ gefördert.