4.0-Baukasten für die Textilindustrie

„Industrie 4.0 in der TechTex-Branche – von der Vision zur Realität“ stand als Thema über dem futureTEX-Symposium. Damit war auf zwei „Vorhaben“ verwiesen: Die vierte industrielle Revolution und die Einführung von Produktinnovationen sollen gelingen.

Qualitätsmonitoringsystem misst die Flächenmasse des Vliesstoffes

Das Inline-Qualitätsmonitoringsystem misst die Flächenmasse des Vliesstoffes und seine Dicke. 

STFI/Dirk Hanus

Mit Technischen Textilien, Vliesstoffen, und Verbundwerkstoffen hat sich die traditionell im Osten Deutschlands beheimatete Textilbranche neu erfunden, um wettbewerbsfähig zu sein. „2012 beschritten wir mit unseren Visionen Neuland und befinden uns seitdem auf einem erfolgreichen Weg“, sagt Andreas Berthel, Geschäftsführer des Sächsischen Textilforschungsinstituts STFI in Chemnitz und Konsortialführer des vom Bundesforschungsministerium für Bildung und Forschung geförderten Zwanzig20-Programms futureTEX. Der von ihm besagte Weg ist der ins digitale Zeitalter. Das STFI ist den Textil- wie auch Textilmaschinenherstellern ein kompetenter Partner, wenn es um die vollautomatisierte und digitalisierte Textilproduktion geht. Das branchenübergreifende futureTEX-Netzwerk entwickelt den „Industrie 4.0-Baukasten“ aus Software, Methoden und mechanisch-elektronischen Komponenten für eine wettbewerbsfähige Textilfabrik der Zukunft.

Apple Watch und AR-Brille

Tausend Bilder liefern ein dreidimensionales Abbild

Mehrere Tausend Bilder liefern ein dreidimensionales Abbild der Versuchsanlage am STFI.

Safety io GmbH

Am STFI steht eine smarte Fertigungslinie zur Verarbeitung von recycelten Hochleistungsfasern zu Materialien für Leichtbauanwendungen. Den kleinen und mittelständischen Unternehmen der Branche bietet sie eine Versuchsumgebung für intelligente Instandhaltung, selbstoptimierende Fertigungslinien sowie für Mensch-Maschine-Interaktionen. Mittels einer Apple Watch lassen sich die digitalen Prozesse von den Anlagenfahrern überwachen. Neu ist auch „Augmented Reality“ (AR) in der Produktion. Darunter ist das Zusammenspiel von digitalem und analogem Leben zu verstehen. Das funktioniert zumeist über eine Brille, in die dem Nutzer zusätzliche Informationen über sein Umfeld eingeblendet werden. So erhält etwa der Mechaniker nützliche Informationen über ein Bauteil, das er reparieren soll.

Eine durchgängige Digitalisierung und Automatisierung, so die Analyse am STFI, könne die Entwicklungszeit von Produkten um 30 Prozent verkürzen, die Wartungszeit von Anlagen um 20 Prozent reduzieren und die Produktionsdurchlaufzeit ebenfalls um 20 Prozent verringern.

Ein Beispiel aus der Praxis liefert die Suchy Textilmaschinenbau GmbH im thüringischen Korbußen. Ein hier angesiedeltes futureTEX-Projekt hat einen Digitaldrucker entwickelt, der mit hoher Geschwindigkeit Materialien zur Veredelung von Textilien aufträgt: Die Innovation: Kontaktlos und präzise bringt er nur so viel Beschichtung auf, wie zur Funktionalisierung nötig ist. Daraus ergeben sich Einsparungen von Material, Energie und Kosten.

Attraktiv für junge Fachkräfte

„Die moderne textile Arbeitswelt 4.0 soll auch attraktiv für junge Fachkräfte sein. Denn während die komplexen und vernetzten Abläufe vor allem im technischen Bereich anspruchsvolle Tätigkeitsfelder darstellen, nehmen mit der Digitalisierung einfache und körperlich schwere Arbeiten ab“, sagt futureTEX-Projektkoordinator Dirk Zschenderlein. Er spricht von nachhaltigen Innovationen für die gesamte Branche, die vom Konsortium geschaffen und auch nach dem Ende der Projektförderung 2021weiter ausgebaut werden. Dazu zählen u.a. das Textile Prototyping Lab, die Forschungs- und Versuchsfelder „Vernetzte Fertigung“ und „Selbststeuernde Vliesstoffproduktion“, das futureTEX-Forschungsnetzwerk, die futureTEX-Academy und der Textile Inkubator. Letzterer ist ein Novum für die Branche; eine Vorbereitungsphase, in der Experten eine Produktidee von der Suche nach Anwendungsfeldern über Produkt- und Markttests bis zur Markteinführung begleiten. „Unternehmen aus dem futureTEX-Netzwerk sollen als neue Leitanbieter auf neue Leitmärkte vorstoßen“, sagt Dirk Zschenderlein.

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